3 Werkzeuge, mit denen Sie Ihr Geschäftsmodell entwickeln und verbessern

Das Geschäftsmodell hat ein wenig was von einem Puzzle: Es gibt jede Menge Teile, die alle irgendwie zusammenpassen sollten. All das zu einem stimmigen Ganzen „zusammenzubauen“ ist oftmals mit Sucherei verbunden, gelegentlich wird etwas ausprobiert und dann doch wieder verworfen und am Ende braucht man häufig Geduld und einen langen Atem.

Nach dem Warum – dazu habe ich etwas unter unternehmerische Motivation geschrieben – ist das Geschäftsmodell die zweite inhaltliche Basis des Geschäfts. Es beschreibt, mit welcher Logik Nutzen für die Kunden geschaffen wird. Ich muss in der Lage sein, mein Geschäftsmodell zu beschreiben, es zu entwickeln und zu erneuern.

Die Instrumente, die in meiner Wahrnehmung hier inzwischen die größte Akzeptanz und Verbreitung gefunden hat, sind der von Alexander Osterwalder und Yves Pigneur entwickelte Business Model Canvas und als Erweiterung der Value Proposition Canvas. Für die Weiterentwicklung oder Erneuerung von Geschäftsmodellen bzw. die Geschäftsmodellinnovationen bieten sich die Geschäftsmodellmuster von Oliver Gassmann an.

Geschäftsmodelle analysieren und beschreiben

Empfehlenswert: Business Model Generation von Alexander Osterwalder und Yves Pigneur

Business Model Canvas

Das Geschäftsmodell beschreibt die innere Logik, mit der ein Unternehmen bzw. eine Organisation Ressourcen in Kundennutzen überführt.

Mit den neun sogenannten Building Blocks des Business Model Canvas lassen sich alle relevanten Aspekte eines Geschäftsmodells beschreiben: Nutzenversprechen (Value Proposition), Kundensegmente, Kundenbeziehung, Kundenkanäle, Umsatzströme, Schlüsselressourcen, Schlüsselaktivitäten, Schlüsselpartner und Kostenstruktur.

Die ersten 46 Seiten der englischsprachigen Ausgabe des Buchs Business Model Generation mit der Beschreibung der neun Building Blocks sind als kostenloser Download auf der Webseite des Buchs verfügbar.

Der Business Model Canvas zur Entwicklung für ein Geschäftsmodell

Der Business Model Canvas von Alexander Osterwalder und Yves Pigneur

Value Proposition Canvas

Die Basis für das Geschäftsmodell ist die Passung zwischen Kundensegementen und Nutzenversprechen (Value Proposition), oft auch als Product Market Fit bezeichnet. Um die besser herauszuarbeiten, hat Alexander Osterwalder den Business Model Canvas um einen Value Proposition Canvas erweitert. Auch der steht über die Website des Buchs als kostenloser Download zusammen mit weiteren Informationen und einer kostenlosen Leseprobe zur Verfügung.

Der Value Proposition Canvas detailliert Kundensegmente und Nutzenversprechen weiter. Auf der Kundensegment-Seite stehen dabei die Aufgaben, die der Kunde erledigen will oder muss, im Zentrum der Bemühungen. Diese sogenannten Jobs-to-be-done sind sehr anschaulich vom Harvard-Professor Clayton M. Christensen beschrieben worden (siehe nachfolgendes englischsprachiges YouTube-Video).

Empfehlenswert: Value Proposition Design von Alexander Osterwalder, Yves Pigneur, Greg Bernarda und Alan Smith

Clayton M. Christensen über Jobs-to-be-done (YouTube-Video)

Geschäftsmodelle weiterentwickeln und erneuern

Es gibt wenige Geschäftsmodelle, die heute noch über einen langen Zeitraum Bestand haben. Ich muss also in der Lage sein, mein Geschäftsmodell weiterzuentwickeln bzw. gegebenenfalls auch komplett zu erneuern.

Empfehlenswert: Geschäftsmodelle entwickeln von Oliver Gassmann, Karolin Frankenberger und Michaela Csik

Geschäftsmodellinnovation

Kaum ein Geschäftsmodell heute ist noch wirklich einzigartig. Sehr schön ist das von Oliver Gassmann, Professor für Innovationsmanagement am Institut für Technologiemanagement der Universität St. Gallen aufbereitet worden. Gemeinsam mit Mitarbeitern hat er 55 Geschäftsmodellmuster mit dem Anspruch identifiziert, damit einzeln oder in Kombination alle bestehenden Geschäftsmodelle abzubilden.

Diese Muster nutze ich gerne, um bestehende Geschäftsmodelle oder Geschäftsmodellideen zu hinterfragen, sich Anregungen aus anderen Geschäftsmodellmustern zu holen und durch Übertragung, Kombination und Wiederholung Geschäftsmodelle zu innovieren.

Oliver Gassmann nutzt dabei ein eigenes Beschreibungsmodell aus nur vier Bestandteilen – jeder Wissenschaftler muss wohl sein eigenes Modell entwickeln – die Geschäftsmodellmuster bleiben aber glücklicherweise anschlussfähig zum Business Model Canvas. Wer tiefer in die Materie einsteigen will, für den ist Geschäftsmodelle entwickeln eine interessante Ergänzung.

Fazit

Business Model Canvas, Value Proposition Canvas und die Geschäftsmodellmuster sind für mich die Modelle, mit denen man im Zusammenspiel mit den prototypbasierten Ansätzen Lean Startup bzw. Customer Driven Development bzw. den engpassorientierten Ansätzen von Eli Goldratt oder Wolfgang Mewes (Engpasskonzentrierte Strategie) aus Geschäftsideen valide Geschäftsmodelle entwickelt.

Sie sind wie eine Sprache, mit der man im Team gemeinsam systematisch an der (Weiter-) Entwicklung des eigenen Geschäftsmodells arbeiten kann. Das reduziert die Gefahr, aneinander vorbei zu reden.

Doch das Geschäftsmodell ist – nach der Frage nach dem unternehmerischen Warum – wie erwähnt nur der zweite Schritt. Eine der wesentlichen unternehmerischen Aufgaben beginnt jetzt: Wie macht man aus dem Geschäftsmodell ein nachhaltig erfolgreiches Unternehmen? Mehr dazu im Blogartikel nächste Woche.

Adieda

Richard Schieferdecker

1 Antwort
  1. Peter Rochel
    Peter Rochel says:

    Hallo Richard Schieferdecker,
    ich kann Ihre Ausführungen nur bestätigen und jeden Unternehmer, nicht nur Gründer, darin bestärken sich möglichst umgehend mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Ein enorm wertvolles Tool fehlt mir allerdings noch, das ich an dieser Stelle gern weiterempfehlen möchte. Insbesondere ist es von Bedeutung für bestehende Unternehmen die durch Innovation ihre Zukunft sichern wollen. Wenn Sie mit der Business Model Canvas und der Value Proposition Canvas zu innovativen Ideen gekommen sind und daraus Strategien abgeleitet haben fehlt Unternehmern zumeist noch das nötige Schmiermittel um die Strategien auch effektiv und schnell umzusetzen: Die passende Kultur im Unternehmen, die dies auch zulässt. Culturmapping, nach Dave Grey, ist eine wunderbare Möglichkeit und sehr einfach umsetzbar… 🙂
    Sonnige Grüße aus Köln,
    Peter Rochel

    Antworten

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