Bildnachweis: Nestler Reissbrett, mit freundlicher Genehmigung von Klaus-Peter Beck

Mit 4 wichtigen Schritten zum erfolgreichen Unternehmen

Eine minimalistische Anleitung für systematische Zufriedenheit bei der Unternehmensentwicklung

Verbessert sich Ihr Unternehmen immer weiter? Und passiert das quasi automatisch, also ohne dass Sie selbst viel dazu beitragen müssen? Im folgenden Artikel beschreibe ich die grundlegende Vorgehensweise, mit der man dafür die Voraussetzung schafft. Ihr zugrunde liegt ein typisches ingenieurmäßiges Denkmodell. An einem persönlichen Beispiel werde ich die Anwendung deutlich machen.

Wenn mir damit eines gelingt, habe ich mein Ziel erreicht: Sie davon zu überzeugen, dass eine systematische Vorgehensweise bei der Entwicklung des Unternehmens mit größerer Wahrscheinlichkeit zum Erfolg führt.

Die Bedeutung dieser systematischen Vorgehensweise ist mir selbst lange nicht richtig klar gewesen. Daher möchte ich das an einem Beispiel aus dem persönlichen Bereich deutlich machen. Das Beispiel ist im Folgenden immer in einem Kasten abgesetzt.

Und dann hat es mir doch gereicht!

Im Sommer 2013 ist auf der Feier des 5. Geburtstags eines kleinen Unternehmens von Geschäftspartnern ein Foto von mir gemacht worden, das mich ziemlich entsetzt hat: Ein nicht zu übersehender Bauch.

Wobei rein formal die 85 kg bei 187 cm Körpergröße erst mal einen Body-Mass-Index von 24,3 ergeben und damit noch im Normalbereich liegen – wenn auch an der oberen Grenze.

Der Bauchumfang war mit 98 cm aber schon über der ersten Grenze. Bei Männern gilt ab 94 cm ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und Diabetes mellitus Typ 2. Außerdem war ich damit nicht mehr weit von der zweiten Grenze entfernt. Bei Männern sind die genannten Risiken ab 102 cm deutlich erhöht.

Ja, ich weiß. Die Waist-to-height ratio (Taille-zu-Größe-Verhältnis) ist besser als BMI oder Bauchumfang. Und die wäre bei meinem Alter (Jahrgang 67) und meiner Körpergröße mit 0,52 auch noch ok.

Wohlgefühlt habe ich mich allerdings nicht: Weder mit dem Bild, noch mit meinem Bauch.

Also musste was passieren!

Diät? Mehr Sport? Fit-for-Fun? Men’s Health?

Halt! Ich bin doch Ingenieur!

Wikipedia beschreibt es sehr schön: „Ingenieure sind die geistigen Eltern Technischer Systeme, mit deren Hilfe naturwissenschaftliche Erkenntnisse zum praktischen Nutzen der Menschen angewendet werden.“

Ingenieure analysieren die Problemstellung, konstruieren eine Lösung, produzieren sie und sorgen im Rahmen des Kundendienstes dafür, dass die Nutzer auch während des Betriebs der technischen Systeme alle notwendige Unterstützung erhalten.

Was bedeutet das jetzt aber für Unternehmensaufbau und Unternehmensentwicklung?

Systematisches und modellgetriebenes Vorgehen

Die Basis der Ingenieurwissenschaften sind ein systematisches und modellgetriebenes Vorgehen. Modelle des Ingenieurs sind z. B. die Berechnung oder die technische Zeichnung. Als Maschinenbauer habe ich diese „Denke“ während meines Studiums an der RWTH Aachen und der anschließenden Promotion verinnerlichen können. Sie prägt mich auch heute noch. Die Systeme, mit denen ich mich heute beschäftige, kommen aber nicht mehr aus der Technik. Das systematische und modellgetriebene Vorgehen ist geblieben.

Vorgehen entwickeln und umsetzen, Ergebnisse bewerten und Maßnahmen ableiten

Die für mich inzwischen wichtigste – weil grundlegendste – Vorgehensweise ist der von Edward Deming entwickelte PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act), erweitert um die Attribute der Befähiger-Elemente der RADAR-Logik aus dem Excellence-Modell der EFQM:

  1. Plan: Wie wollen wir vorgehen? Gibt es gute Begründungen dafür, dass wir das so machen? Passt das Vorgehen zu den anderen existierenden oder ebenfalls geplanten Vorgehensweisen?
  2. Do: Wie wird das geplante Vorgehen eingeführt und ist die Umsetzung angemessen?
  3. Check: Woran machen wir fest, ob Vorgehen und Umsetzung effektiv und effizient sind? Wie messen und bewerten wir das? Was lernen wir aus der Bewertung?
  4. Act: Welche (gerne auch innovativen) Maßnahmen können wir aus der Bewertung ableiten und entwickeln, um damit ggf. die Vorgehensweise anzupassen und die Umsetzung zu verbessern?

Schritt 2 passiert immer. Ob die Umsetzung angemessen ist, können schon nicht mehr alle beantworten.

Schritt 1 findet auch häufig genug statt. Insbesondere im Gründungsumfeld sind Businesspläne eine beliebte Methode, den Unternehmensaufbau zu planen. Auch bei etablierten Unternehmen gibt es mit Wachstumsplänen etwas vergleichbares. Speziell bei Businessplänen wird deren Nutzen seit einiger Zeit immer stärker angezweifelt. Alexander Osterwalder, einer der Entwickler des Business Model Canvas zur Entwicklung von Geschäftsmodellen (mehr dazu im nächsten übernächsten Blogartikel), hat eine drastischere Meinung von Businessplänen:

Businesspläne sind intellektuelle Masturbation

Ganz so dramatisch würde ich es nicht formulieren. Grundsätzlich gibt es aber immer weniger Fälle, in denen ein klassischer Businessplan noch gebraucht wird. Und den Aufwand dafür sollte man erst mal in andere Aktivitäten stecken.

1. Der Plan

Mit einem geeigneten Vorgehen wollte ich also meinen Bauch loswerden. Das ist auf der einen Seite auf jeden Fall eine Frage des Bauchfetts (und damit des Bauchumfangs und des Gewichts), auf der anderen Seite aber auch der dazugehörigen Muskulatur.

Das Ziel war es, in angemessener Zeit bis auf 72 kg „abzuspecken“ – mein Gewicht aus der Zeit gegen Ende meines Studiums – und gleichzeitig auch wieder Muskulatur aufzubauen. Da ich mit einer Apothekerin mit Zusatzausbildung in Ernährungsberatung verheiratet bin (gute Begründung für das Vorgehen), stand relativ schnell ein Unterziel von ca. 2 kg im Monat bzw. 0,5 kg pro Woche fest. Da man für den Verlust von 0,5 kg Körperfett etwa 3.500 kcal einsparen muss, lief das auf eine negative Tagesbilanz von 500 kcal hinaus.

Ich musste also pro Tag 500 kcal mehr verbrennen, als ich über die Nahrung zuführe. Dazu wollte ich einerseits einige wenige Anpassungen bei meiner Ernährung vornehmen (Fett und Zucker reduzieren), andererseits meine körperlichen Aktivitäten weiter erhöhen (noch mehr Strecken in der Stadt mit dem Rad bzw. zu Fuß zurücklegen und Konditionstraining auf einem vernünftigen Rudertrainer).

Im Sinne der RADAR-Logik stellen sich hier z. B. mehrere Fragen:

  • Ist die gewählte Vorgehensweise fundiert? In diesem Fall ja, da abgesprochen mit einer Fachfrau.
  • Passt sie zu anderen Vorgehensweisen? Lässt mein Tagesablauf zu, dass ich meine Ernährungsgewohnheiten anpasse und zusätzliche Bewegung integriere?

2. Die Umsetzung

Die Umstellung der Ernährung hat funktioniert. Butter habe ich abends durch Senf oder vergleichbare Saucen ersetzt. Morgens wurden Brot, Butter und Marmelade durch Müsli bzw. 2 bis 3 Mal die Woche durch einen grünen Smoothie ersetzt. Für die Smoothies habe ich mir einen ordentlichen Mixer zugelegt (ca. 80 €). Da ich nicht nur Grünes verarbeitet habe, musste es auch kein Hochleistungsmixer für 300 € sein. Den Zucker im Tee habe ich halbiert, an den Geschmack habe ich mich schnell gewöhnt. Darüber hinaus bin ich beim Mittagessen häufiger auf Salat mit Geflügel und Sushi statt Pizza oder Gyros umgestiegen.

Für die zusätzliche Bewegung habe ich mir einen Rudertrainer von Concept2 besorgt. Den konnte ich zunächst mal mieten (wobei 2/3 des Mietpreises auf den Kauf angerechnet wurden), um die RADAR-Frage nach der Angemessenheit zu prüfen.

Ein sehr wichtiger Punkt in der Umsetzung war für mich die App CaloryGuard, mit der ich auf einfache Art die zugeführten und verbrannten Kalorien dokumentiert habe. Das damit verbundene Bewusstsein dafür, welche Lebensmittel wieviel Kalorien haben, hat bei mir die größte Verhaltensänderung bewirkt. Der Aufwand dafür hat sich mit ca. 10 Minuten pro Tag in Grenzen gehalten.

Erfolg messen

Dann folgt der 3. wichtige Schritt, der gerne vergessen wird: Woran machen wir fest, ob das Vorgehen (Plan) und seine Umsetzung (Do) erfolgreich sind und wie können wir das messen (Check)?

Während der Umsetzung müssen wir stets darüber im Bilde bleiben, ob wir weiterhin auf dem richtigen Weg sind. Wenn wir dazu nicht am Anfang die Kriterien festgelegt haben, nach denen wir das beurteilen können, bleibt die Erfolgskontrolle im besten Fall ein Bauchgefühl. Und zielführende Entscheidungen, welche Maßnahmen gegebenenfalls abgeleitet werden sollten (Act), sind auch schwierig.

Wobei das keinesfalls bedeutet – und das wird von den „Gegnern“ der Planung gerne übersehen – dass man Pläne und die Kriterien, an denen man den Erfolg misst, nicht auch während des Vorgehens ändern kann. Es sollte nur gute Begründungen dafür geben, die man auch im Nachhinein noch nachvollziehen kann.

3. Bewerten und Lernen

Womit wir bei den Kennzahlen wären.

Wie schon angesprochen, war die App zum Erfassen der Kalorien einer der wirklich wichtigen Faktoren im Prozess. Aus der Dokumentation der Kalorien pro Tag konnte ich relativ sicher sehen, ob ich die geplante negative Tagesbilanz von 500 kcal. hinbekomme.

Wie zu sehen ist, ist mir das auch fast immer geglückt. Natürlich waren Ausreisser dabei, die ich aber in Bezug auf die Woche bzw. den Monat immer ausgleichen konnte.

Kalorienverlauf in den ersten sieben Monaten: Die rote Linie zeigt den Kalorienbedarf (aus Grundumsatz und körperlichen Aktivitäten), die blaue Linie die durch die Nahrung zugeführten Kalorien.

Im Sinne des Excellence-Modells ist die tägliche Kalorienbilanz ein (Prozess-) Indikator. Er zeigt mir, wohin sich meine Ergebnis-Kennzahlen (Gewicht und Bauchumfang) voraussichtlich entwickeln werden. Bleibt die blaue Linie im Wesentlichen unterhalb der roten, dann muss das Gewicht sinken.

Als Resultat aus der Kalorien-Tagesbilanz mussten sich also Gewicht und Bauchumfang verändern. Diese habe ich natürlich separat gemessen und eingetragen. Die nachfolgenden Bilder zeigen ebenfalls die Verläufe für die ersten sieben Monate.

Gewichtsverlauf in den ersten sieben Monaten

Entwicklung des Bauchumfangs in den ersten sieben Monaten

4. Maßnahmen

Nach dem Erreichen des Zielgewichts habe ich die Dokumentation meiner Tagesbilanzen noch eine Weile fortgesetzt, um mein Gefühl für die zugeführten und verbrannten Kalorien weiter zu verbessern. Hier war jetzt insbesondere wichtig, wie das für die ausgeglichene Kalorienbilanz aussieht. Das folgende Bild zeigt den Gewichtsverlauf über den gesamten Zeitraum.

Gewichtsverlauf vom Start bis Juli 2015

Zum 1 Mai 2015 habe ich die Kalorienaufzeichnung eingestellt. Das Gewicht (und auch den Bauchumfang) kontrolliere ich wöchentlich weiter.

Ziel erreicht! Nur über eine Konsequenz hatte ich mir im Vorfeld wenig Gedanken gemacht: Ich durfte mir im ersten halben Jahr zwei Mal neue Hosen kaufen und auch die Hemden sind heute i. d. R. zwei Nummern kleiner.

Vergleichbare Ansätze

Speziell im Umfeld von Gründungen, aber auch im Bereich Corporate Entrepreneurship werden gerne die Ansätze Lean Startup von Eric Ries oder Customer Driven Development von Steve Blank genannt, die für mich ebenfalls auf dem PDCA-Zyklus basieren. Es geht dabei nicht darum, von vornherein schon alles richtig und fertig zu durchdenken. Im Sinne agiler Ansätze lässt sich eine Lösung auch in iterativen Zyklen entwickeln. Lean Startup spricht hier von Build-Measure-Learn. Der Effectuation-Ansatz arbeitet ebenfalls nach diesem iterativen Muster.

Fazit

Im Untertitel habe ich von einer minimalistischen Anleitung gesprochen. Ist das übertrieben? Ich glaube nicht.

Es sind wirklich nur vier einfache Fragen:

  1. Was ist mein Plan?
  2. Wie setze ich das um?
  3. Woran mache ich fest, ob ich auf dem richtigen Weg bin?
  4. Welche Veränderungen muss ich an Plan, Umsetzung oder ggf. auch den Beurteilungskriterien vornehmen?

Das interessante dabei ist jetzt, dass ich diese Fragen auf allen Ebenen eines Unternehmens bzw. einer Organisation stellen kann:

  • in Bezug auf die gesamte Organisation,
  • in Bezug auf einen einzelnen Prozess oder
  • in Bezug auf die Aktivität, die ich gerade vor mir auf dem Schreibtisch liegen habe.

Diese Fragen sind mit einer Herausforderung, aber auch einem ungeheuren Nutzen verbunden: Wie kann es gelingen, diese Fragen systematisch immer und immer wieder in allen Bereichen einer Organisation zu stellen?

Wer das erreicht, bekommt eine gut „geölte Maschine“, die sich mehr oder weniger von alleine immer weiter verbessert – hin zu einer exzellenten Organisation.

Wie kann man das jetzt umsetzen?

Welche Erfahrungen machen Sie/macht Ihr mit der Anwendung dieser vier Fragen? Welche Fragen tauchen bei der Anwendung auf bzw. welche Herausforderungen entstehen? Ich freue mich auf entsprechende Kommentare oder Rückmeldungen und versuche gerne, die dann hier auch zu beantworten.

Adieda

Richard Schieferdecker

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