Bildnachweis: Domspringen 2005 auf dem Katschhof in Aachen, eigenes Foto

Anleitung zur unternehmerischen Unzufriedenheit

Echt jetzt? Ein Blogartikel über unternehmerische Unzufriedenheit? Nein, natürlich nicht wirklich. Aber was würde da drinstehen, in einer Anleitung zur unternehmerischen Unzufriedenheit? Und was sind eigentlich die Faktoren, die unternehmerische Zufriedenheit oder Unzufriedenheit bestimmen und wie kann ich sie beeinflussen? 

In der Vergangenheit durfte ich vielfach erleben und lernen, dass man Unternehmen und Organisationen auf eine sehr spezielle Weise ausgestalten kann: Und zwar so, dass sie sich zu einer „gut geölten Maschine“ entwickeln, die sich quasi automatisch immer weiter verbessern hin zu exzellenten Organisationen.

In diesem Blog befasse ich mich damit, wie man aus Geschäftsideen systematisch erfolgreiche bzw. exzellente Unternehmen oder Organisationen macht.

Hier beschreibe ich, was Sie bzw. Euch in der nächsten Zeit hier erwartet: Über welche Themen werde ich schreiben und warum interessiere ich mich für unternehmerische Zufriedenheit.

Wenn es mir also gelingt, dass Sie die „gut geölte Maschine“ auch für Ihr Unternehmen bzw. Ihre Organisation für machbar halten, dann habe ich mein Ziel für diesen ersten Blogartikel erreicht.

Wie ist das jetzt mit der unternehmerischen Unzufriedenheit?

Wer Professor Bernhard Ludwig, den österreichischen Psychotherapeuten und Kabarettisten kennt, weiß wo ich die Inspiration zum Titel dieses Blogartikels her habe: Von seinem grandiosen Seminarkabarett Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit. Die sexuelle Unzufriedenheit definiert er über das Verhältnis von Erwartetem und Erreichtem (ACHTUNG, in den ersten 10 Sekunden nur bedingt bürotauglich).

Und wie ist das im Unternehmen?

Im Wesentlichen doch nicht anders.

Ich kann meine Erwartungen beeinflussen oder das Erreichte.

Mir stellt sich jetzt die Frage, wie man Erwartungen und Erreichtes am besten miteinander in Einklang bringen kann – zur Zufriedenheit aller Interessengruppen.

Was ist das Problem?

Meine Vorträge zum Thema beginne ich gerne mit einer ungewöhnlichen Frage:

Besteht Ihr Unternehmen den Schulbus-Test?

Diese – zugegeben etwas makabere – Metapher habe ich das erste Mal bei einem amerikanischen Beraterkollegen gehört.

Angenommen, Sie werden als Unternehmerin oder Unternehmer vom Schulbus überfahren und sind für 3 Wochen, 3 Monate oder 3 Jahre nicht ansprechbar.

Wie lange gibt es Ihr Unternehmen noch?

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich diese Frage mit einem Unternehmer aus der Eifel diskutiert, der eine kleine Autowerkstatt betreibt und sechs Mitarbeiter beschäftigt.

Seine Antwort:

Nach einer Woche ist mein Laden tot.

Warum? Weil er alle Aufträge im Kopf hat.

Auch wenn dieses Extrem sicher nicht die Regel ist – in vielen kleinen Unternehmen wäre der Ausfall der Unternehmerin oder des Unternehmers ähnlich dramatisch.

Auf der anderen Seite gibt es z. B. den Schindlerhof von Klaus Kobjoll. Gegründet 1984 als Landhotel ist das Tagungshotel mit heute knapp 70 Mitarbeitern wahrscheinlich eine der besten Adressen in Europa.

Klaus Kobjoll hat sein Unternehmen über die Jahre so organisiert, dass er am Ende nur noch eine Entscheidung im Jahr getroffen hat: Was ist der Zimmerpreis im nächsten Jahr. Alles andere konnten seine Mitarbeiter ohne ihn erledigen. So wenigstens hat er es mal in einem Seminar erzählt.

Welche Auswirkungen so eine Struktur z. B. auf Verhandlungen mit Banken über Kredite hat, kann man sich sicher vorstellen.

Er versteht seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Mit-Unternehmer. Ich zitiere mal aus seinen Spielregeln:

Alle MitunternehmerInnen setzen ihr Wissen und ihr Können dafür ein, neue und bessere Lösungsmöglichkeiten zu finden. Auch Gutes kann verbessert werden. Veränderungen werden nur dann nicht mehr vorgenommen, wenn sie keine Verbesserung mehr bewirken.

Die hohe Anzahl an Verbesserungsvorschlägen aus dem Kreis der Mitarbeiter gibt ihm recht.

Inzwischen hat Klaus Kobjoll das Hotel erfolgreich an seine Tochter übergeben.

Warum sind so wenige Unternehmen wie gut geölte Maschinen, die sich automatisch immer weiter verbessern?

Den Grund darin sehe ich im Wesentlichen im zu häufig fehlenden Verständnis für die eigentliche unternehmerische Aufgabe.

Mit am besten hat es eigentlich Michael E. Gerber in seinem Buch The E-(ntrepreneurial) Myth auf den Punkt gebracht. In einem Unternehmen gibt es drei Rollen:

  • Fachkräfte erbringen die Leistung für die Kunden draußen im Markt.
  • Manager sorgen dafür, dass die Fachkräfte die Leistung für die Kunden erbringen können.
  • Unternehmer sind die Visionäre und Innovatoren, die aus alltäglichen Situationen außergewöhnliche Geschäftsgelegenheiten machen.

Wer unternehmerisch unterwegs ist, muss alle drei Rollen abdecken können.

Oft konnte ich in den letzten Jahren erleben, dass Führungskräfte eines Unternehmens sich in diese Position entwickelt haben, ohne  dabei das richtige Verständnis für die eigentliche unternehmerische Aufgabe zu entwickeln.

Die Folge ist oft Verschwendung: Unklare Zielgruppen, nicht richtig definierte Leistungen, insbesondere aber ungeeignete und intransparente Prozesse und schlecht genutzte Ressourcen. Das führt dann viel zu oft zu 10- bis 12-Stunden-Tagen an 7 Tagen in der Woche und 52 Wochen im Jahr. Willkommen im unternehmerischen Hamsterrad!

Die eigentliche unternehmerische Aufgabe

Wenn man die oben genannten Rollen betrachtet, wird insbesondere die Bedeutung der Unternehmer-Rolle für das unternehmerische Hamsterrad klar.

Die wesentliche Aufgabe als Unternehmerin oder Unternehmer bzw. als unternehmerisch handelnde Führungskraft ist es nicht, das Produkt zu entwickeln, Kunden zu akquirieren oder die Leistung für die Kunden zu erbringen. Das sind Aufgaben der Fachkraft-Rolle – die man natürlich als Unternehmensführung oft auch erledigen muss. Aber es sind eben nicht die Aufgaben der Unternehmer-Rolle.

Nach Michael Gerber ist die eigentliche unternehmerische Aufgabe, das System zu implementieren, mit dem zielgerichtet (effektiv) und mit möglichst geringem Aufwand (effizient) Ressourcen in Kundennutzen überführt werden können.

Unternehmerinnen und Unternehmer „produzieren“ Unternehmen.

Die Erfahrung zeigt: Wem das gelingt, für den ist das unternehmerische Hamsterrad in absehbarer Zeit kein Thema mehr. Dafür durfte ich inzwischen genügend gute Beispiele von erfolgreichen Unternehmen kennenlernen.

Für den Anfang bedeutet es möglicherweise erst mal eine größere Belastung: Entweder mehr Arbeit am Unternehmen (und damit zusätzlicher Zeitaufwand) oder weniger Arbeit im Unternehmen (und damit möglicherweise weniger Umsatz).

Sehr wahrscheinlich ist aber eines: Viele Unternehmerinnen und Unternehmer oder angestellte Führungskräfte sollten sich mehr mit der Unternehmer-Rolle beschäftigen!

Wie bekomme ich ein exzellentes Unternehmen?

Wenn ich also ein Unternehmen „produziere“, dann sollte ich eine Vorstellung davon haben, wie das einmal aussehen soll. Toll soll es werden, exzellent könnte man auch dazu sagen.

Diese Vorstellung hat zwei Aspekte:

  1. Den inhaltlichen Teil: Man könnte auch unternehmerische Vision dazu sagen. Darauf werde ich in einem der nächsten Blogartikel näher eingehen. Und auf das daraus resultierende Geschäftsmodell.
  2. Den strukturellen Teil: Was macht eigentlich ein exzellentes Unternehmen bzw. eine exzellente Organisation aus?

Wann ist eine Organisation nachhaltig erfolgreich und woran erkenne ich das? Nur Umsatz und Gewinn kann es ja nicht sein. Und wie komme ich da hin?

Ich brauche ein Messinstrument, mit dem ich meine Unternehmensentwicklung steuern kann.

Seit zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit Fragen der Betriebsorganisation und IT-Unterstützung, seit gut 10 Jahren auch mit der Analyse und Gestaltung von Geschäftsmodellen.

Ausgehend vom Qualitätsmanagement durfte ich 2005 das Excellence-Modell der European Foundation for Quality Management (EFQM) kennenlernen. Anders als das Quality im Namen vermuten lässt, geht es hier nicht direkt um die Produkt- oder Dienstleistungsqualität. Ich sage immer, es geht um die Qualität der Unternehmensführung.

Formal bewertet das Excellence-Modell den Reifegrad des Management-Systems. Es beschreibt also, wie weit eine Organisation mit ihren Strukturen und Systemen auf dem Weg zu einer exzellenten Organisation ist. Und viel wichtiger: Damit kann ich Verbesserungspotentiale identifizieren, wie ich meine Organisation geeignet weiterentwickle.

Seit 2006 bewerte ich als Excellence-Assessor Unternehmen und Organisationen, die sich um den Ludwig-Erhard-Preis (LEP) bewerben. Der LEP oder German Excellence Award ist die deutsche Variante des European Excellence Award der EFQM und wird von der Initiative Ludwig-Erhard-Preis e. V. verliehen. Seit 2012 darf ich für die ILEP auch Excellence-Assessoren ausbilden, die das Modell im eigenen Unternehmen anwenden können.

Spannend sind die Erfahrungen, die ich damit in den letzten Jahren machen durfte

Zum Beispiel in einem Werk eines großen deutschen Automobilkonzerns mit über 2.000 Mitarbeitern. Dort sind fast alle oberen und mittleren Führungskräfte ausgebildete Excellence-Assessoren – was dazu führt, dass sie in Bezug auf die Entwicklung ihres Standorts alle „die gleiche Sprache sprechen“. Ich habe dort ein tiefes und geteiltes Verständnis bei den Führungskräften erlebt, was ein exzellentes Unternehmen ausmacht und wie sie dorthin kommen. Der Erfolg gibt dem Unternehmen recht.

Oder ein Krankenhaus mit 140 Mitarbeitern.

Oder eine kleine Unternehmensberatung mit fünf festen und vier festen freien Mitarbeitern.

Überall ein ähnliches Bild. Und alle nachhaltig erfolgreich.

Das Excellence-Modell hat inzwischen in mehreren tausend Unternehmen und Organisationen in Europa seine Praktikabilität bewiesen. In allen Branchen, von gewinnorientiert über gemeinnützig bis in die öffentliche Verwaltung. Und in allen Unternehmensgrößen, von der Unternehmensberatung mit 3 Mitarbeitern bis zum Konzern mit knapp 300.000 Mitarbeitern weltweit.

Fazit

Als unternehmerisch Verantwortliche – egal ob als Inhaber oder angestellte Manager – brauchen wir mindestens

  1. eine Vorgehensweise, mit der wir unser Unternehmen bzw. unsere Organisation systematisch immer weiter verbessern können,
  2. eine Vorstellung davon, wohin wir unser Unternehmen, unsere Organisation entwickeln wollen – was also Exzellenz unter inhaltlichen (Vision, Geschäftsmodell) und strukturellen Aspekten ausmacht sowie
  3. ein Instrument, mit dem wir den Fortschritt auf dem Weg zur Exzellenz messen können.

Darüber – und über weitere Themen im Umfeld der Entwicklung von exzellenten Unternehmen und Organisationen – werde ich im Folgenden hier berichten. Neben dem Excellence-Thema sind das insbesondere auch die Themen Geschäftsmodell-Entwicklung oder die Unterstützung der Aufgaben im Unternehmen mit geeigneter Software.

Mein Ziel ist es, immer Donnerstags einen neuen Beitrag zu veröffentlichen. Der nächste Artikel kommt also am 20.08.2015.

Dieser Blog-Artikel hier ist gleichzeitig auch der Startschuss für meine neue Website.

Nach gefühlten zehn Jahren – laut WaybackMachine (https://archive.org/web/) sind es allerdings nur etwas über 7 Jahre – war für meine Website mal wieder ein Relaunch fällig. Die Inhalte haben nur noch zum Teil dargestellt, womit ich mich heute beschäftige und der Fokus der Website lag ausschließlich auf meinem Ingenieurbüro. Nach der Gründung des Aachener Instituts für Mittelstandsentwicklung e. V. (AIME) Anfang 2012 habe ich aber beruflich auch noch andere Hüte auf.

Ziel der Überarbeitung war also, weniger die Institution Ingenieurbüro Richard Schieferdecker zu präsentieren, sondern vielmehr meine Erfahrungen und das, was mich zu den Themen beschäftigt.

Ganz fertig ist die Seite noch nicht. Es fehlen insbesondere noch detailliertere Informationen über meine Aktivitäten. Aber das kommt dann mit der Zeit.

Danke

Die Überarbeitung wäre aber nicht so geworden, wenn nicht einige Menschen ihren Teil dazu beigetragen hätten:

  • Den Anstoß, einen Blog für meine angepasste Positionierung zu nutzen, hat sicherlich Vladislav Melnik mit seinem Affenblog gegeben. In seinem Affenbuch habe ich viel gelernt, was ich jetzt hoffentlich erfolgreich anwende.
  • Ricarda Kiel hat mit ihrem kostenlosen Starterkit jede Menge nützlicher Informationen für den Rest der Website um den Blog herum geliefert.
  • Bei Jochen Wolters bedanke ich mich für die Diskussionen über die Struktur der Seite und seine Hinweise zur Usability. Lieber Jochen, auch wenn inzwischen 7.860,65 km zwischen uns liegen: Ich weiß unseren Austausch sehr zu schätzen!
  • Und nicht zuletzt auch Stephan Plesnik, der in unseren Gesprächen immer wieder die Vorzüge von WordPress gepriesen hat. Ja, Stephan, auch wenn ich viele Jahre in Drupal Webseiten und Portale gebaut habe: Diese Seite basiert auf WordPress.
  • Ein ganz besonderer Dank geht an euregio.tv für eine spannende Fotosession. Lieber Thomas, vielen Dank für jede Menge toller Bilder!

Von daher: Ich bin gespannt auf die nächste Zeit – und natürlich auf Ihre und Eure Reaktionen!

Ich freue mich jederzeit über Rückmeldungen. Sei es als persönliche Nachricht über das Kontaktformular, direkt per Mail oder auch persönlich am Telefon.

Der Redner auf der Bühne bekommt das Feedback über den Applaus. Für den Blogger sind die Kommentare und das Teilen der Artikel der Applaus. So sehe ich das wenigstens. Von daher freue ich mich natürlich auch über Feedback als Kommentar unter diesem Artikel. Dann haben auch die anderen Leserinnen und Leser etwas davon.

Viel Spaß mit den kommenden Artikeln!

Richard Schieferdecker

PS: Sehr sehenswert aus Bernhard Ludwigs oben genanntem Seminarkabarett ist übrigens auch der Abschnitt über die Unzufriedenheit bei der Partnerwahl. Gibt es da Parallelen zu Unternehmen und Mitarbeitern bzw. Bewerbern?

2 Kommentare
    • Richard Schieferdecker
      Richard Schieferdecker says:

      Hallo Kalle,

      schau’n mer mal, wie der Kaiser sagen würde. Geplant ist das, aber im Moment alles eine Frage der verfügbaren Zeit.

      Viele Grüße
      Richard

      Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.