Warum ist es gut, dass es Ihr Unternehmen gibt?

Am Anfang einer Auseinandersetzung mit unternehmerischen Ideen wird eine Frage häufig vergessen oder nicht in ausreichender Tiefe behandelt: Warum mache ich eigentlich das, was ich da tue. Oder bei Gründerinnen und Gründern: Warum will ich das machen? Für mich ist eine klare Mission das Fundament für jede Organisation.

Eine starke unternehmerische Motivation ist meines Erachtens einer der entscheidenden Erfolgstreiber. Ist sie nicht stark oder bewusst genug, ist die Gefahr groß, dass bei den sicher auftretenden Schwierigkeiten im Rahmen der unternehmerischen Reise die Energie auf der Strecke bleibt. Die Chance auf eine erfolgreiche Unternehmung sinkt. Das Motiv ist übrigens – selbst bei Wirtschafts-Unternehmen – i. d. R. nicht das Geld!

Die Frage nach dem Warum setzt für mich zunächst mal bei mir als Unternehmerin oder Unternehmer selbst an. Individuell oder im Unternehmensteam geht es um die Frage nach der Mission: Wofür ist das Unternehmen da? Warum ist es gut, dass es das Unternehmen gibt?

Eine interessante und in der letzten Zeit häufig zitierte Quelle dafür ist der Vortrag Start with Why, den Simon Sinek 2009 bei der TEDx Pudget Sound gehalten hat. Seinen Vortrag fasst er selbst mit den folgenden Worten zusammen: “People don’t by what you do. They buy why you do it.”

Simon Sinek über Start with why – How great leaders inspire action (YouTube-Video). Auf der TED-Webseite gibt es eine Version mit deutschen Untertiteln.

Das Warum als Kern ist der “Leitstern”, an dem sich Begeisterung entzündet und Entscheidungen orientieren. Ist das Warum (noch) nicht klar, gibt es auch hier Methoden und Modelle, mit denen ich es für mich bzw. mein Unternehmen herausfinden kann. Das kann dann durchaus etwas “ans Eingemachte” gehen, da die Instrumente aus der Psychologie bzw. dem Coachingumfeld kommen.

Die Bedeutung der Mission

In meinem ersten Blogartikel hatte ich das Excellence-Modell der EFQM schon angesprochen. In seinem Kriterienmodell fordert es im ersten Teilkriterium Führung als ersten Punkt:

Führungskräfte entwickeln die Vision, Mission, Werte und ethischen Grundsätze und sind Vorbilder.

EFQM Excellence Modell 2013, S. 10

Es geht also um den Zweck eines Unternehmens bzw. einer Organisation.

Fredmund Malik beschreibt das in seinem Buch Unternehmenspolitik und Corporate Governance auf der Systemebene, losgelöst von allen Interessengruppen:

Zweck des Unternehmens ist die Transformation von Ressourcen in Nutzen

Fredmund Malik: Unternehmenspolitik und Corporate Governance, S. 148

Wer als Unternehmen zufriedene Kunden schaffen will, für den ändert Malik das genannte Zitat in Transformation von Ressourcen in Kundennutzen. Für gesellschaftliche Organisationen erweitert er seine Aussage zu einer Allgemeinen Systempolitik: Zweck von gesellschaftlichen Organisationen ist es, erwünschte Veränderungen zu bewirken, bei Menschen und in der Gesellschaft.

Die Mission ist damit die Kernaussage der Positionierung im Wettbewerb bzw. im Wertschöpfungsnetzwerk.

Unterschied zwischen Mission und Vision

Die Mission ist der grundlegende (Geschäfts-) Zweck eines Unternehmens bzw. einer Organisation. Die Mission beschreibt den Grund, warum die Organisation existiert und welche Aufgabe(n) sie für ihre Interessengruppen erfüllen soll.

Die Vision beschreibt dagegen, was durch die Aufgaben des Unternehmens bzw. der Organisation in der Zukunft erreicht werden soll. Die Vision ist das Bild von der Zukunft. Sie soll dabei ebenso motivieren, wie die Mission.

Die Mission sollte stabiler sein als die Vision. Die Vision bzw. Teile davon müssen i. d. R. irgendwann angepasst werden.

Ein Beispiel dafür ist die Gründungsvision von Microsoft aus dem Jahr 1975: „Ein Computer auf jedem Schreibtisch und in jedem Zuhause.“ Heute klingt das ganz anders, und für mich längst nicht mehr so klar und präzise.

Beispiele für gelungene Missionen

Ausformulierte Missionen oder Mission Statements gibt es jede Menge. Wirklich gute findet man leider viel zu selten. Eine der besten, die mir bislang untergekommen ist, kommt gan nicht aus der Welt der Organisationen und Unternehmen sondern … aus dem Kino:

Link zum YouTube-Video

…to boldly go where no man has gone before.

Damit ist die Aufgabe definiert.

Eine ebenfalls tolle Mission hat Nokia damals formuliert. Auch wenn Microsoft nach der Übernahme der Mobilfunkgeräte wohl noch eine Weile daran festgehalten hat, heute nehme ich da nichts mehr wahr.

Link zum YouTube-Video

Ein drittes Beispiel für eine knapp formulierte Mission ist die von TED: Spread ideas. Gestartet 1984 als eine Konferenz über Technologie, Entertainment und Design ist TED heute eine weltweite Community mit teilweise sehr viralen Videos. Bei Gelegenheit muss ich mal einen Blogartikel über meine Lieblingsvideos bei TED schreiben.

Wie finde ich die Mission?

Wie die weiter oben genannten Beispiele guter Missionen zeigen, sind die darin angesprochenen Aufgaben ganz oft auf die Kunden bezogen. Kunden sind aber nur eine Interessengruppe.

Bei inhabergeführten Unternehmen ist das Warum bzw. die Mission i. d. R. eng mit der Person der Inhaberin bzw. des Inhabers verknüpft. Von daher ist insbesondere für Unternehmerinnen und Unternehmer m. E. der erste wichtige Schritt, die eigene Mission zu identifizieren:

Warum ist es gut, dass es mich gibt?

Uff. Das kann ein ganz schöner Brocken sein. Ja, man kann ein erfolgreiches Unternehmen auch aufbauen, ohne seine Mission zu kennen. Es gibt aber gute Gründe, warum man sich mit der Frage beschäftigen sollte, was man auf dieser Welt bewirken kann.

Auf der einen Seite hilft es mir, Entscheidungen zu treffen. Sich immer wieder die Frage zu stellen, was eine Entscheidung vor dem Hintergrund meiner ureigenen Aufgabe bedeutet, kann mich vor Fehlentscheidungen bewahren.

Auf der anderen Seite motiviert das Wissen um meine Mission, insbesondere in schwierigen Situationen. Ein beliebtes Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Geschichte von den Männern, die Steine behauen. Auf die Frage, was sie da tun, antwortet der eine „Steine klopfen“ und der andere „eine Kathedrale bauen“.

Die neuro-logischen Ebenen

Ein Instrument, mit dem man sich seiner Mission nähern kann, ist das Modell der neuro-logischen Ebenen von Robert Dilts. Die Basis dafür bildet das hierarchische Konzept der logischen Ebenen des Lernens und der Veränderung von Gregory Bateson.

Dilts hatte festgestellt, dass viele Menschen auf unterschiedliche Aussagen unterschiedlich reagieren, obwohl im Grunde die gleiche Art von Urteil ausgedrückt wurde. Als Beispiel nennt er die folgenden Aussagen (zitiert aus Professionelles Coaching mit NLP, S. 262):

  1. Dieses Objekt in Ihrer Umgebung ist gefährlich.
  2. Ihre Handlungen in diesem speziellen Kontext waren gefährlich.
  3. Ihre Unfähigkeit, effektive Urteile zu fällen, ist gefährlich.
  4. Ihre Überzeugungen und Werte sind gefährlich.
  5. Sie sind ein gefährlicher Mensch.

Ich glaube, hier kann jeder die Unterschiede in der emotionalen Wirkung der Aussagen spüren. Unterschiedlich bei den Aussagen ist der Aspekt der Person, auf den sich die Aussage bezieht:

  1. Umgebung (Wo? Wann?)
  2. Verhalten (Was?)
  3. Fähigkeiten (Wie?)
  4. Überzeugungen und Werte (Warum?)
  5. Identität (Wer?)

Die Ebenen beeinflussen sich dabei wechselseitig: Durch die ständige Wiederholung eines bestimmten Verhaltens erwerbe ich eine Fähigkeit (üben). Meine Fähigkeiten bestimmen, wie ich mich verhalten kann. Genauso steuern meine Überzeugungen und Werte, welche Fähigkeiten ich entwickeln kann.

Die Struktur ist dabei baumartig: „[…] eine einzigartige Identität [wird] durch eine bestimmte Gruppe von Überzeugungen und Werten geformt und reflektiert […]. Jede Überzeugung und jeder Wert wiederum steht in Beziehung zu einer bestimmten Gruppe von Fähigkeiten.“ So geht das weiter bis zu den Umgebungsbedingungen.

In der Folge hat Dilts noch eine sechste Ebene ergänzt, die Zugehörigkeit. Außerdem wurde die Identität um die Aspekte Mission und Vision erweitert.

Mission identifizieren mit den logischen Ebenen

Mit diesem Wissen kann ich mich jetzt durch gezielte Fragen von bestimmten Umgebungsbedingungen nach oben bis zu meiner Identität „hocharbeiten“.

Dabei ist es hilfreich, wenn Sie besondere Umgebungsbedingungen aus Ihrer Vergangenheit auswählen:

  • Ereignisse, bei denen Ihnen etwas besonders gut gelungen ist
  • wichtige Veränderungen in Ihrem Leben, die ggf. mit schwierigen Entscheidungen verbunden waren
  • Situationen, die Ihnen besonders viel Spaß machen

Ich habe einen kurzen Fragebogen zusammengestellt, mit dem man durch die verschiedenen Ebenen geführt wird bzw. sich durch eine zweite Person führen lassen kann. Den können Sie über das folgende Kontaktformular anfordern. Idealerweise wiederholen Sie die Übung und starten mit unterschiedlichen Umgebungsbedingungen aus Ihrer Vergangenheit.

„Dr. Richard Schieferdecker“ — Dr. Richard Schieferdecker

4 + 1 = ?

Manuela Brinkmann hat in Strategieentwicklung für kleine und mittlere Unternehmen die neuro-logischen Ebenen von Robert Dilts noch um strategische und operative Ziele erweitert und daraus eine Unternehmenspyramide gemacht. In verschiedenen Beispielen hat sie gezeigt, dass sich damit sowohl eine Identität und Vision entwickeln lassen als auch aus der Vision die operativen Ziele abgeleitet werden können.

Neben den genannten Instrumenten gibt es jede Menge weiterer Ansätze, um über Werte an Grundmotive und Mission zu kommen. Für die persönliche Mission sind das z. B.

  • Gemeinsamkeiten, die sich aus den Motiven meiner Lieblingsfilme und -bücher ergeben (aus der Kindheit, genauso wie heute)
  • die 80.-Geburtstags- oder Grabrede-Übung (Was will ich, dass jeweils ein Mitglied der Familie, ein Freund, jemand aus dem beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld über mich sagen und welches gemeinsame Motiv steht dahinter?)

Fredmund Malik nennt in Unternehmenspolitik und Corporate Governance drei Bestandteile einer Business Mission (S. 164 ff.): Bedarf, Können und Überzeugung.

Die Überzeugung (und in Ansätzen das Können) habe ich hier im Artikel behandelt. Wesentliche Teile des Können sowie der Bedarf sind Aspekte, die aus den eigenen Stärken und dem Geschäftsmodell resultieren. Darauf werde ich in weiteren Blogartikeln eingehen und dann auch noch mal auf die Zusammenhänge zwischen Simon Sineks Why, How und What eingehen.

Fazit

Eine starke unternehmerische Motivation ist ein wichtiges Fundament und ein entscheidenden Erfolgstreiber für ein erfolgreiches Unternehmen bzw. für eine erfolgreiche Organisation.

Nach Simon Sinek kaufen Menschen nicht, was Sie tun, sondern warum Sie etwas tun.

Fredmund Malik hat den Zweck des Unternehmens definiert als die Transformation von Ressourcen in (Kunden-) Nutzen.

Die Mission positioniert ein Unternehmen bzw. eine Organisation im Wettbewerb bzw. im Wertschöpfungsnetzwerk.

Die Mission bzw. Identität einer Person, eines Unternehmens oder einer Organisation steht über mehrere Ebenen in Beziehung zu seiner Umwelt. Damit kann man sich aus der Umwelt die Mission erarbeiten.

Wie nutzen Sie das für sich?

Welche Erfahrungen haben Sie/habt Ihr mit der Mission des Unternehmens oder der Organisation gemacht? Welche Fragen tauchen bei der Anwendung auf bzw. welche Herausforderungen entstehen? Ich freue mich auf entsprechende Kommentare oder Rückmeldungen und versuche gerne, die dann hier auch zu beantworten.

Adieda

Richard Schieferdecker

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.