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Zukunftsfähig? Nachhaltig?

Hier im Blog ist in den letzten Jahren nicht viel passiert – was im Wesentlichen damit zusammenhängt, dass sich bei mir thematisch einiges geändert hat. Weg von der undifferenzierten Wachstums- und Effizienzdenke hin zu mehr Ausrichtung unternehmerischen Handelns am „Gemeinwohl“. Und das passiert gerade auch nicht mehr nur im Kontext von Unternehmen.

Den Anfang des letzten Blogbeitrags kann ich im Grunde stehenlassen. „Nach längerer Zeit also mal wieder ein Blogbeitrag. Und dann auch noch ein augenscheinlich politischer.“ Auch hier sind Gespräche der Auslöser, die ich seit gut eineinhalb Jahren führe. Zuerst mit den Kollegen Dr. Detlev Bohle und Oliver Dersch. Später insbesondere mit Hans-Joachim Geupel, dem langjährigen Vorsitzenden der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen und in der Folge mit ganz vielen Menschen in Aachen und in der Region. Und das Ergebnis ist ein Projekt namens Region AACHEN 2050, mit dem wir aktuell einen ersten Dialogprozess für die Region entwickeln. Und was hat das mit Unternehmen zu tun?

Region AACHEN 2050

Gemeinsam mit einem tollen Kernteam – Danke, Doro, Gerda und Jochen – sowie einer Menge weiterer engagierter Menschen haben wir in den letzten Monaten einen ersten Dialogprozess hier in der Region organisiert und durchgeführt. In drei Online-Veranstaltungen haben wir uns in der Spitze mit knapp 150 Menschen darüber ausgetauscht, wie wir zu einem Bild davon kommen können, was gutes Leben für Alle in den Grenzen des Planeten speziell hier für die Region bedeutet.

Viel mehr will ich dazu an dieser Stelle gar nicht sagen. Details dazu gibt es unter https://regionaachen2050.de. Und über die Hintergründe findet sich einiges auch auf meinem „anderen“ (genauso vernachlässigten) Blog unter http://richardschieferdecker.de.

An dieser Stelle soll es jetzt mehr um die Frage gehen, welchen Beitrag die Unternehmen zum guten Leben in den Grenzen des Planeten leisten können? Und müssen?

Was ist eigentlich ein zukunftsfähiges Unternehmen?

In den letzten Jahren wurde diese Frage – insbesondere in dem mir vertrauten Umfeld der EFQM – ganz häufig mit „wachstumsfähig, effizient, renditestark – und mitarbeiterorientiert“ beantwortet. Die gesellschaftsbezogenen Ergebnisse, wie das die 2013er-Version des EFQM-Modell noch vorgesehen hatte, spielten oft keine so wichtige Rolle.

Ansatzpunkte habe ich in einem Beitrag im anderen Blog beschrieben. In der Zwischenzeit habe ich mich auch ausführlicher mit der Gemeinwohlökonomie auseinandergesetzt und die Aachener Regionalgruppe der Gemeinwohlökonomie-Bewegung mit ins Leben gerufen.

Nach meinem derzeitigen Erkenntnisstand – mit beeinflusst auch durch die sich entwickelnden gesellschaftlichen Veränderungen – muss ein zukunftsfähiges Unternehmen die Fragen nach dem „Impact“ positiv beantworten können:

  1. Welchen Beitrag leistet das Unternehmen für mehr Menschenwürde?
  2. Welchen Beitrag leistet das Unternehmen für soziale Gerechtigkeit?
  3. Welchen Beitrag leistet das Unternehmen für ökologische Nachhaltigkeit?
  4. Welchen Beitrag leistet das Unternehmen für mehr Demokratie und transparenz?

Und was ist dabei ein angemessener finanzieller Erfolg des Unternehmens?

Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist das wahrscheinlich starker Tobak – vor allem auch in dieser Reihenfolge – Nutzen für das Gemeinwohl vor finanziellem Erfolg.

Wie kommen wir in ein neues Denken?

Was ist denn das Ziel des unternehmerischen Handelns? Was sagen uns die Regeln, die wir uns dazu gegeben haben?

Am härtesten formuliert und mit dem meisten Gewicht – weil durch das Volk verabschiedet – beschreibt es wohl die bayerische Landesverfassung:

Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesonders der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle und der allmählichen Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten.

Bayerische Landesverfassung, Art. 151, Abs. 1

Ja, mir ist auch klar, dass das sicher nur noch bei den wenigsten Unternehmen im Vordergrund steht.

Aber ist es nicht vielleicht erstrebenswert, da wieder hinzukommen? Und was müssten wir dafür tun?

Ansätze gibt es genug: Von der Gemeinwohlbilanz der aus dem deutschen Sprachraum stammenden und schon angesprochenen Gemeinwohlökonomie über die aus den USA stammenden Benefit Corporations bis zur Umsetzung von Kate Raworth Idee der Donut Ökonomie auf Unternehmensebene.

Im Moment habe ich den Eindruck, dass nur wenige Unternehmerinnen und Unternehmer bereit sind, diesen Dialog zu führen. Ich freue mich aber, wenn es mehr werden. Gerne stehe ich als Sparringpartner zu Verfügung.

Adieda

Richard Schieferdecker